Des losse mer ruhn...

Erschießungen auf den Friedhöfen von Palzem und Nennig im 2. Weltkrieg

Im September 1944 – kurz vor der Befreiung Luxemburgs – verhaftete die Gestapo Widerstandskämpfer/innen in Frankreich und Luxemburg und brachte sie über die Grenze nach Deutschland, wo sie auf den Friedhöfen von Palzem und Nennig ermordet wurden. Friedrich Schmidt war an diesen Morden beteiligt:

Die französischen Staatsbürger und Widerstandskämpfer der F.F.I.-Gruppe „Cosson” in Piennes 1 Marcel Voyat, Henri Uguccioni und Edmont Helck wurden am 4. September 1944 an der Straßenkreuzung der „Route National Nr. 381” und der Straße von Murville nach Landres gegen die Deutschen eingesetzt. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem drei Angehörige der F.F.I getötet wurden. Voyat, Ucuccioni und Helck wurden verhaftet und in der Villa Pauly verhört. 2
Vermutlich am 8. September 1944 wurden sie in den kleinen Ort Palzem an der Mosel gebracht und dort ermordet. 3
Edmont Helck war 16 Jahre alt.

Die französischen Staatsangehörigen Georges Claudon und Germaine Causier wurden, wahrscheinlich aufgrund einer Anzeige, von einer Einheit der Wehrmacht in Audun-le-Roman (Meurthe-et-Moselle) in der Nacht vom 4. auf den 5. September verhaftet und der Gestapo übergeben. Claudon war ein französischer Reserveoffizier 4, Germaine Causier gehörte der Widerstandsgruppe F.T.P.F. 5 an.

Sie wurden zusammen mit Emile Deiskes, der wegen Waffenbesitz verhaftet worden war, am 9. September um 19 Uhr auf dem Friedhof des Dorfes Nennig in Deutschland ermordet. 6

Die luxemburgisches Staatsbürger Michael Bockler und Nicolas Weiwers wurden am 2. oder 3. September in Dudelange festgenommen. Die Stadtbevölkerung erwartete zu diesem Zeitpunkt bereits die Ankunft der amerikanischen Truppen, als eine SS-Einheit erschien und in die Menge schoß. Sechs Menschen, darunter ein Kind, kamen ums Leben. Vier weitere Menschen, darunter Bocker und Weiwers, wurden deportiert. 

Laut Ermittlungsakten warf man ihnen die „Plünderung” der Wohnung eines in die Wehrmacht eingezogenen Luxemburgers vor. Ihr Tod wurde vom Leiter der Gestapo Walter Runge beschlossen und Friedrich Schmidt wurde mit der Hinrichtung beauftragt.

Das Tribunal de Premiere Instance in Rastatt für die Aburteilung von Kriegsverbrechen verurteilte Friedrich Schmidt 1949 in Abwesenheit zum Tode und begründete dies damit, dass alleine seine Anwesenheit bei den Erschießungen ohne Gerichtsverfahren und Urteil eine MIttäterschaft begründen würden, dass aber nach Zeugenaussagen von einer aktiven Beteiligung an den Morden auszugehen sei. 7

Das Urteil gegen Friedrich Schmidt wurde nie vollstreckt. Ein Ende der 50er Jahre eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt, da zwar viele seiner ehemaligen Gestapo-Kollegen verhört wurden, er aber von allen gedeckt wurde.

Weder in Palzem noch in Nennig finden sich Gedenktafeln, die an die Erschießung der Widerstandkämpfer/innen erinnern.
Eine Mail unseres Vereins mit ausführlichen Informationen zu unseren Recherchen und konkreten Vorschlägen zur Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung blieb bislang unbeantwortet.

Ein Versuch unsererseits mit Personen aus dem früheren persönlichen Umfeld von Friedrich Schmidt ins Gespräch zu kommen, wurde von einem Bürger mit den Worten  „Des losse mer ruhn!” („Das lassen wir ruhen!”) abgeblockt.

 

1) LASaar_StAnw_2659, S.63, F.F.I. „Forces françaises de l’intérieur
2) LASaar_StAnw_2664, S.10
3) LASaar_StAnw_2665, S.232
4) LASaar_StAnw_2661, S.43
5) F.T.P.F. „Francs-tireurs et partisans français“ 
6) aus dem Urteil des Tribunal de Premiere Instance in Rastatt für die Aburteilung von Kriegsverbrechen gegen Friedrich Schmidt, LASaar_StAnw_2665
7) ebd.


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